Die Geschichte der intensiven Erforschung einer visuellen Parallelwelt durch eingehende Betrachtung

Kolloquiumseinladung

Lovely sparkling rainbow pony-riding brain sunset.

Heute halte ich endlich meine Druckbögen in den Händen. Und: tadaaaa, obwohl ich digitaldruckerische ILLUSTRATIONS FROM HELL produziert habe, sind sie so toll gedruckt worden. Die Tage davor waren ziemlich anstrengend und durchwachsen und vom ein oder anderen schrecklichen Speichermissgeschick geprägt, aber jetzt ist alles gut. Mein Gehirn und ich reiten also in den Sonnenuntergang. Am Strand. Auf Regenbogenponys. Zum Kolloquium kommen wir aber dann nochmal vorbei. Einladung folgt.

*Guuuuäaaargh*

Ist ungefähr das Geräusch, das mein Gehirn macht, wenn ich ihm vorschlage weiter an der Bachelorarbeit zu arbeiten. Dann beginnen direkt die Verhandlungen.

__Oooooh, schon wieder? Bist du dir sicher? Ich meine du hast doch die ganze Zeit daran gearbeitet. Gestern und vorgestern und vorvorgestern. Das geht bestimmt schon drei Monate so…

Ich will in einer Woche mein Buch in den Druck geben. Da gibt es noch so viel zu verbessern, ganz zu schweigen von den Seiten die immer noch leer sind. Eigentlich sollten wir Tag und Nacht wach sein um daran zu arbeiten.

__Näääh. Du, echt nicht. Ich mach nicht mit. Ich streike. Lies lieber ein den superguten Stieg Larsson Krimi weiter. Das macht mir Spaß.

Die ganze Zeit hat dir die Arbeit doch auch Spaß gemacht. Es gibt halt gerade einen toten Punkt, das ist ganz normal. Da arbeiten wir jetzt einfach drüber, dann macht das auch wieder Spaß.

__Bullshit. Von mir gibts keine Unterstützung mehr. Wenn ich das Buch nicht lesen darf, denke ich halt die ganze Zeit drüber nach. So. Und über den Sonnenschein draußen. Dann mach ich mir noch ein paar Sorgen über den Druck und die Bindung. Dann kannst du ja mal sehen.

Hirn: 1 Annika: 0. Das hab ich jetzt davon. Aber ich verhandle nicht mit Terroristen.

Lesemuffelige, überkorrigierte, hartkontaktlinsige, dunkelschlafende, rauchende, gestillte, sportliche, spazierfreundliche, diabeteslose, entspannte Ungebildete gesucht!

Ääääh, ja. Habe mich heute nochmal sehr intensiv theoretisch durch diverse Studien und Texte gearbeitet. Und genau die oben genannten Menschlein sind nach meinen aktuellen Erkenntnissen die perfekten Emmetropen ( emmetrop = normalsichtig). Einiges denkt man sich ja, viel frische Luft, nicht so viel intensive Naharbeit, gestillt werden soll ja auch immer gut sein. Aber RAUCHEN? Jepp. Es gibt tatsächlich eine Studie, die signifikant nachweist, dass Kinder von Rauchern weniger kurzsichtig sind. Die ganze Sache ist wirklich interessant. Und manchmal verzwickt. Und ziemlich lustig.

Warum bin ich also so kurzsichtig geworden? Test: In der Überschrift stehen 11 Punkte. Hat man die alle, müsste man also Superman mit Laseraugen sein. Lesemuffel *määäääääääääääp* [0], überkorrigiert *määäääääääääääp* [0], hartkontaktlinsig *määäääääääääääp* [0], dunkelschlafen *naja geht son halber – Lichtverschmutzung und so* [0,5], rauchend *Mutter raucht, gibt den ersten richtigen Punkt* [1,5], gestillt *jepp* [2,5], sportlich *während der Bachelorarbeit sieht das ganz bitter aus* [2,5],  spazierfreundlich *siehe sportlich* [2,5], diabeteslos *jepp* [3,5], entspannt *siehe sportlich* [3,5], ungebildet *ich hoffe doch nicht, aber merkt das jemand ungebildetes eigentlich, oder ist das nicht schon eine Eigenschaft des Ungebildet-Seins?!?* [3,5]

Super, 3,5 von 11. Kein Wunder. Naja, wenn ich nicht gerade Bachelorarbeit schreibe, schaff ichs auf 6,5. Apropos. Hab das Gefühl ich bekomme langsam Furunkel vom langen Sitzen. Jemand von den Alumni Erfahrung? Kalte Kamillewickel? Hilft vielleicht auch bei der gemeinen Hitze. Sollte übrigens jemand mehr als 10 Punkten bei der Checkliste haben, sagt mal Bescheid, ob ihr kurzsichtig seid.

Ihr seht, es geht voran. Vielleicht werde ich ja doch noch Wissenschaftler. Furunkelforscher. Das wär doch was.

Die Reise zu den Wurzeln

Erste große myopische Reise zu den Wurzeln fertig dokumentiert. Hier quasi konzertante Variante ohne Bühnenbild und Erklärungen. Möchte ja nicht zuviel vorweg nehmen. Aber die Wahrheit ist es, nichts als die Wahrheit. Kopfkino: Action!

Im ersten Stock entferne ich die Schärfe aus den Augen. Kneifen, blinzeln, reiben. Ungewohnt. Aber nicht schlecht. Tür hinaus. Vorsicht, die launischen Treppenstufen weichen etwas zurück. Erdgeschoss. Geräusche aus dem Wohnzimmer. Bunte leuchtende Kiste spricht. Farben: Grün, Blond, Weiß, Schwarz, Rot, Gold. Aha, Fußball. Lebendiger Fleckensalat in der Ecke spricht nicht, ordnet sich neu. Sieht? Egal.

Rechtsum! Luft mit leichtem Wellengang, sanftes Rauschen. Woher? In Myopia bewegt sich ein Ventilator nur wenn man den Kopf davor hält.
Großer Tisch, über dem ein Schweben schattet. Erinnert mich an Omas, Küchen, altes Emaille mit Blumen. Erbsen werden gepult. Schnitt. Normalerweise hängt dort eine Lampe, die ruft: Warm. Abendessen. Brote mit Gesichtern. Papa endlich zuhause.

Folge nur dem roten Kamel. Es führt dich zum Wasser! Rotes Licht, in Scheiben geschnitten. In der Ecke zwei von Cézannes Orangen. Im Lichtkegel aufgehängt.

Fettige Abdrücke auf Glastür tasten. Griff. Öffnen. Stufe.

Hitze hat schon gewartet. ————— Da bist du ja endlich! Rote Schuhe dösen träge im Schatten.

Plattform ragt aus gescheckten Teppich. Lila grüner Jubel unten. Im Hintergrund wartet schwarze Eminenz emporzusteigen. Weiter. Steine. Knirschen. Hart. Wiese. Nachgebend. Zweig. Sirren. Unsichtbare Insekten überall. Hoffentlich sticht nichts. Rechts unten schweben unrealistisch realistisch bunte Schmetterlinge, die ich nicht anfassen möchte. Weil sie sofort zu Plastik erstarren könnten.

Dann öffnen sich grünen Wolken. Licht streift vorbei. Gold und Glitzer. Was für ein Kitsch hier verschwendet wird, den niemand sehen möchte, weil er unscharf ist. Ein erstes Auftblitzen von Unwirklichkeit. Kitschiges darf nicht wirklich sein, sonst wäre es ja kein Kitsch.

Maulwurfshügel. Schuppen. Nebenan hat eine Hexe gewohnt. Jetzt wohnt dort nur noch ihr Haus. Stufe. Wieder Steine.
Hinter der Ecke ein Sonnenhinterhalt. ————— Bricht hervor und direkt ins Gemüt. Augen saugen das Licht auf und parieren mit Farben und Tränen. Wasser gewinnt und verdünnt das Licht. Rot und Rosa stehen vor der Haustür

————— Wir kaufen nichts! Da könne Sie noch so gut stark duften!

Ein Bass naht von hinten. Rumsfallerah. Drückt man auf der Straße im richtigen Moment den Auslöser, das Gehör ist hierbei ausschlaggebend, erscheint ein roter Riese im Bild. Stark.

Alles ist hell. Alles glänzt. Alles ist warm.

Und plötzlich: eine weite Landebahn da, wo früher nur eine Straße war. Flugzeuge sind keine in Sicht, trotz des guten Wetters.
Monet kommt zu Besuch. Wo ist die Frau mit der Haube? Schatten ruht sich unter Baum aus. Bereit zum Sprung? —————

Aber nein, der Himmel drückt zu stark. Deutschland hat wohl passende Schilder für alles parat. Vögel fliegen hier bitte links. Der Flug nach rechts ist dem Sommerwind vorenthalten. Der Weg geht weiter. Bergauf, bergauf. Nur keine Müdigkeit vortäuschen.

Lautes Getöse. Zwei Würfel machen sich auf ins Blaue. Nicht streiten ihr beiden! Piggeldy und Frederick auf dem Weg nach Hause?
Ins Blaue, auch eine gute Idee. Liegt Wolkenkuckucksheim in Myopia? Und was macht die Seifenblase auf dem Foto?
Hans-Guck-in-die-Luft! Hier, direkt vor deiner Nase! ————— Wer bist du, Fremder?————— Kaugummi? Schraube? Murmel? Farbe? Papier? Die Lösung weiß die Konsistenz: Vogelschiss.

Das Grün dagegen sieht freundlicher aus als es klingt. Scharfes Tuscheln. Lästern.

————— Jaja, sehr lustig. Lange Spinnenbeine, die den Himmel aufreiben. So siehst DU nämlich aus.

Vertrautes schwindet nicht. Bleibt. Keine Verwirrung. Keine Unruhe. Nur ein Haus. Aus kindlicher Perspektive vielleicht für immer das Zeichen bald zuhause zu sein. —————
Orange am Wegrand. Schreit entschieden: Ich bin hier, ich bin da. Farbe so klar und ehrlich, dass es fast weh tut. Fast gestolpert —————  Bellendes Holz (?) rechter Hand. In Myopia läuft man besser kopfüber. Kontrollblick nicht vergessen: Zwei Füße anwesend. Meine Füße? Irgendwer wandert da über einen Regenbogen.

Endlich. Einfahrt. Einbiegen. Schotter. Hexenhaus. Geruch aus Wand. Wieder ankommen. Hallo Welt!

Hellseherische Fähigkeiten?!?

Ist Kurzsichtigen das zweite Gesicht geschenkt? Wer in diesen Tagen brillenlos durch die Stadt gewandert ist, wird vielleicht die leuchtenden Spanienflaggen über Pennymarktfilialen überall in der Stadt bemerkt haben. Ich bin mir nahezu sicher, dass es sich dabei um eine Verschwörung handelt. Werde der Sache nachgehen.

Kuriositätenkabinett

In Myopia weiß man ja nie, was hinter der nächsten Ecke lauert. Kürzlich wurden diese Merkwürdigkeiten gesichtet…

Seltsamkeit1

Eine Tropfsteinhöhle?

Eine Holodeckecke?

Ein digitaler Schmetterling?

Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen. Merke übrigens: ein Bachelorblog bleibt sinnlos, wenn man sich nicht regelmäßig Zeit nimmt, dafür zu schreiben…

Endlich geht wieder was

Nachdem in der letzten Woche meine Arbeitszeit fast komplett für meine Masterbewerbung draufgegangen ist, sitze ich seit gestern endlich wieder fleißig an Myopia (oder in Myopia?) Habe ein sehr ergiebiges Experiment gemacht aus dem ich vielleicht die Zusammensetzung des myopischen Kreises herleiten kann. Was ein Myopischer Kreis ist? Das bleibt noch mein Geheimnis. Das Experiment war aber folgendes:

Noch Fragen? Nee? Nützt auch nix, mehr zeig ich davon nämlich nicht, sonst mag ja keiner zum Kolloquium. Mag vielleicht eh keiner, weil mitten in den Ferien… Aber Trotzdem! Jetzt hab ich noch ein paar nette Webcam Bilder gemacht, ansonsten ist Schluss für heute, morgen gehts zu Herrn Berger, bin gespannt, was er so sagt.

Erster Ausflug

Am Donnerstag war ich 1 Stunde und 38 Minuten in Myopia. Die Aufgabenstellung: die Suche nach mir selbst. Haha, wir fangen ja klein an. Tsetse. Naja, zeichnen klappte erstaunlich gut. Erst Buntstifte, dann Aquarell. Eine erste Analyse vom Gesehenen dann mit Fineliner. Das könnte schon was werden.
Heute hab ich dann versucht an meine Erfolge anzuknüpfen. Jejejej… Jeder kennt die Tage an denen das Zeichnen schwerfällt. Leider kommt bei meiner Art der Arbeit jedoch dazu, dass manchmal das Sehen selbst schwerfällt. Nur verschwommen und irgendwie nicht aufs Papier zu bannen. Myopia ist eben doch flüchtig. Dafür ist am Samstag endlich meine Stereoskopausrüstung gekommen und ich bin wirklich begeistert. Kann die Stereoskopien sogar ganz gut frei sehen. Habe beschlossen mich heute nicht entmutigen zu lassen und eben etwas anderes auszuprobieren, was nicht mit zeichnen zu tun hat. Hach, mal sehen. Hier sind auch noch ein paar Fotos, von meinen ersten Versuchen Myopia fotografisch abzubilden. Stammen allerdings noch von Januar.

Myopische Trauerweide

Blick in den Garten

Annika mit Mütze

Alles auf Anfang

Nachdem ich mich nun seit fast drei Wochen durch einen riesigen Haufen Bücher gewühlt habe, fühle ich mich gerüstet bald zu meiner ersten Reise nach Myopia aufzubrechen. Zumindest theoretisch.